Zukunft der Bildung im ländlichen Raum unter Druck: vhs-Präsidentin Dr. Ute Eiling-Hütig zum Fachdialog in Freyung-Grafenau

kf 10. April 2026

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Grafenau. Mit welchen Herausforderungen kämpfen kleine, ländliche Volkshochschulen? Wie sichert man hochwertige Bildung, wenn die Wege lang und die Kassen knapp sind? Im Rahmen ihrer „Bayerntour“ besuchte die Präsidentin des Bayerischen Volkshochschulverbands (BVV), Dr. Ute Eiling-Hütig, MdL, die vhs Freyung-Grafenau, um über genau diese Fragen mit den Verantwortlichen vor Ort zu sprechen.




Landrat Sebastian Gruber betonte bei der Begrüßung die wichtige Rolle der vhs in ländlichen Regionen:

„Unsere vhs ist weit mehr als eine Bildungsstätte; sie ist ein unverzichtbarer Ort der Begegnung, der den

gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Landkreis stärkt. Die Größe des Landkreises stellt dabei für

die Organisation dieses Bildungsträgers natürlich eine besondere Herausforderung dar.“

Zum intensiven Austausch luden Landrat Gruber und vhs-Leiterin Dr. Karina Fisch mit Team auch den bvv

Vorstand Dr. Regine Sgodda und Dr. Christian Hörmann, den Vorsitzenden des vhs-Bezirks Niederbayern

und Leiter der Volkshochschule Mainburg, Matthias Bendl sowie den Leiter des Zweckverbands Volkshochschule

für Stadt und Landkreis Passau Peter Kratzer und Wolfgang Günther, Leiter der Volkshochschule Arberland,

ein. Der Austausch mit den größeren Nachbarn sollte bewusst zu einer differenzierten Einsicht in

die Herausforderungen von kleinen und ländlichen Volkshochschulen führen und diese aus unterschiedlichen

Perspektiven beleuchten.

Finanzielle Engpässe und große Versorgungsflächen

Ein zentrales Thema des Austauschs waren die finanziellen Rahmenbedingungen: Kleine, ländliche Geschäftsstellen

sähen sich oft mit begrenzten Mitteln konfrontiert, müssten gleichzeitig aber weite geografische

Flächen abdecken und Bevölkerungsgruppen erreichen, die stark verstreut lebten. Diese Herausforderung

betreffe zwar Einrichtungen aller Größen – doch im ländlichen Raum wirke sie sich besonders gravierend

aus, weil hohe Betriebskosten und fehlende Skaleneffekte kaum durch Teilnehmerzahlen ausgeglichen

werden könnten, hieß es. Auch die Mobilität der Bevölkerung – viele Pendler, ältere Personen und geringe

ÖPNV-Anbindung – erschwere die klassische Bildungsarbeit erheblich.

Integration vor Ort: Ländliche Besonderheiten und bundesweite Probleme

Die Volkshochschulen leisteten seit über 20 Jahren einen großen Beitrag zur Integrationsarbeit des Bundes.

Integrations- und Sprachkurse seien für viele Teilnehmende der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe und beruflichen Integration. Doch in Deutschland sei die Lage aktuell angespannt: Das Bundesamt für Mig-ration und Flüchtlinge (BAMF) habe die Zulassung berechtigter Teilnehmer für staatlich geförderte Integra-tionskurse seit Dezember 2025 bundesweit gestoppt, was Bildungsträger, Lehrkräfte und Teilnehmende gleichermaßen verunsichere.

Damit stünden Tausende Interessierte ohne klare Perspektive da, da neue Kurse nicht genehmigt würden und bestehende Planungen ins Leere liefen.

Frau Dr. Eiling-Hütig erklärte, sie werde sich dafür einsetzen, dass die Volkshochschulen in der Integrations-arbeit Partner auf Augenhöhe seien. Sie sorge sich, dass Integrationskurse nicht zustande kämen, Warte-zeiten für verpflichtete Teilnehmende sich erheblich verlängern würden und bewährte Strukturen unter massiven Druck gerieten.

Dr. Karina Fisch berichtete, dass diese Situation ländliche Zentren besonders hart treffe – weil ohnehin we-niger Kursangebote vor Ort existierten, die Anfahrtswege lang und die Strukturen dünn seien. Es bestünde die große Gefahr, dass die nötigen Teilnehmendenzahlen nicht erreicht würden, um Kurse kostendeckend anbieten zu können.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war, dass es zwar klare Unterschiede an den Volkshochschulen gebe – etwa in der Größe der Zielgruppen, der personellen Ausstattung und der räumlichen Erreichbarkeit – doch kleine und große Geschäftsstellen viele Probleme gleichermaßen teilten. Die Reduzierung der Integrations-kurse durchs BAMF treffe alle Träger, doch ländliche hätten weniger Puffer oder Alternativen, um gegenzu-steuern. Sie seien meist weniger breit aufgestellt.

Blick nach vorn: Vernetzung und Politikdialog

Die Diskussionspartner waren sich einig, dass die Angebote der Volkshochschulen helfen würden, dem Fachkräftemangel zu begegnen, Zugewanderte von Transferleistungen unabhängig zu machen und flächen-deckend ein breites Bildungsangebot für die gesamte Bevölkerung zu realisieren. Am Ende des Fachge-sprächs vereinbarten die drei Volkshochschulleitungen, die Vernetzung zwischen ländlichen und urbanen Volkshochschulen weiterhin zu intensivieren und ihre Erfahrungen gemeinsam in die politischen Dialogpro-zesse in Zusammenarbeit mit dem bvv einzuspeisen.


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